9. Ulmer Denkanstösse

Scheitern - na und?

16. - 19. März, Stadthaus Ulm

Wir alle scheitern. Irgendwann haben wir schon einmal eine bittere Niederlage erlitten. Und dann? Entscheidend ist: Wie gehen wir damit um? Niederlagen sind harte Realität, die unvermittelt in unser Leben einbricht: tragende Lebensmuster kollabieren, Lebensträume zerplatzen, Job oder Beruf misslingen, finanzieller Ruin tritt ein, eine Liebesbeziehung geht in die Brüche – ein Gefühl der Aussichtslosigkeit, ein tief lähmendes Gefühl macht sich breit. Der Historiker Stefan Zahlmann drückt dies so aus: Scheitern ist das Sterben einer Biographie bei lebendigem Leib.

Scheitern ist immer auch abhängig von der Beurteilung in einem bestimmten kulturellen Kontext. Während die Devise im Silicon Valley lautet: "fail early, fail fast" und das Scheitern damit in Amerika eher auf der Tagesordnung steht, bewerten wir es überwiegend negativ. In unserer erfolgsorientierten Gesellschaft ist Scheitern ein Tabuthema. Wir sind verliebt ins Gelingen – wie schwer wiegt da das Scheitern?

Das Leben führt nicht immer kontrolliert direkt zum Ziel, sondern über mitunter schmerzliche Umwege. Fortschritte in den Unternehmen, Erfindungen und Entdeckungen in der Wissenschaft verlaufen oft in mäandrierenden Bewegungen: keineswegs gradlinig, sondern über Misserfolge, Fehlschläge, durch Sackgassen und deren aktives Verarbeiten. Nicht selten gelangen wir erst nach mehrfachem Neuanfang unverhofft doch zum Ziel – und wenn es dann gelingt, war auch immer Glück und nicht nur Planung dabei. Gelingen heißt eben auch, kreativ mit dem Scheitern umzugehen.

Unsere Denkanstöße setzen sich mit dem Scheitern im Persönlichen, in Wirtschaft und Wissenschaft auseinander und fordern eine Anerkennung des gelingenden Scheiterns.